Barrique: Besser nur was trinken

Nach einem abendlichen Spaziergang durchs Niederdorf machte sich ein kleiner Hunger bemerkbar und auf der Suche nach einem Restaurant kam mir in den Sinn, dass mir jemand das Barrique an der Marktgasse 17 empfohlen hatte. Das Lokal sah einladend und “warm” aus und wir fanden zudem die Aussicht auf ein gutes Glas Wein äusserst erfreulich.

Fraundlich und nett war der Empfang und wir machten es uns im Eck bequem. Die Karte ist klein aber appetitlich, wobei aber leider mehr Kreativität ins Kartendesign denn ins Menu geflossen ist. Die Auswahl an Offenweinen ist für ein Weinlokal nicht berauschend und um einen guten Tropfen zu kriegen, muss man  einiges berappen. Wir haben zuerst einen günstigeren Tempranillo probiert, waren damit aber gar nicht zufrieden und entschieden uns für den Rioja - eine glückliche Wahl. Ich bestellte einen Salat, mein Gegenüber die Ingwer-Karotten-Suppe. Wie sich später herausstellen sollte, hatte er damit einfach Glück.

Obwohl der Ingwer sehr dominant war und damit die Balance empfindliche störte, war die Suppe gut zubereitet, angenehm und auch richtiger “Soulfood” an einem trüben Novemberabend. Sehr gestört hat mich die Haube aus gesüsstem Schlagrahm aus der Dose! Mein Salat litt an einem unsagbar scharfen Essig. Wie kann ein Weinrestaurant solchen Essig benutzen? Damit veräzt man sich doch die Geschmacksknospen! Der Salat war zudem sehr ungleich geschnitten: Auf viel zu grossen Blättern und riesenhaften Gurkenscheiben, die als Unterlage dienten, türmten sich verschiedene winzig klein geschnittene Salatsorten - mit verfärbten Rändern. Ich kann es nicht ausstehen, dass einem ein Restaurant vor die Wahl stellt, entweder mit dem Messer den Salat kleinzuschneiden, die Hälfte stehen zu lassen oder wie ein avantgardistischer Künstler, der Farbpinsel über die Leinwand wirft, beim Zerkleinern der Blätter überall Saucenkleckse zu verteilen. Zudem war der Salat selten einfallslos. Man kann so einfach einen guten Salat hinkriegen, der dem Gast auch das Gefühl von Aufmerksamkeit und Liebe zum Detail rüberbringt. Ein paar Nüsschen oder Kerne oder Croutons, dazu eine liebliche Vinaigrette - ich glaube, Salat ist das am gröbsten vernachlässigte Gericht überhaupt.

Anschliessend hatte meine Begleitung ein Tartare und ich entschied mich für die Entenbrust auf einem Orangenspiegel mit Couscous und Gemüse. Dass das Tartare nix war, hab ich geahnt, befürchtet, gewusst. Aber WIE schlimm es daherkommen würde, hat mich dann doch überrascht. Natürlich haben sie das Fleisch komplett zerstört, als sie es durch die Maschiene würgten. Das war ja zu erwarten. Darauf kam die übliche abstossende Ketchupsauce mit Cayennepfeffer. Aber nicht einmal das Verhältnis zwischen Fleisch und Ketchup haben sie richtig hinbekommen! Das ganze Ding war halb flüssig. Einfach eklig. Vielleicht auch besser so, denn so hab ich den Toast ohne Tartare gegessen und dieser Toast war toll - gebräunt mit Butter, Salz und etwas Knoblauch war das ernsthaft das Highlight des Hauptganges.

Zur Entenbrust auf Organgenspiegel: Das klingt herrlich, nicht? Stellt man sich da nicht gleich eine rosa Entenbrust mit knuspriger Kruste auf leicht in der Pfanne geschwenkten und etwas ankaramelisierten Orangenschnitzen vor? Der Geschmack der Ente Coinstar money order perfekt aufgenommen vom Aroma und der Säure der Orangen? Tja, der Koch teilte meine Vision offenbar nicht. Nachdem ich mir neues Besteck vom Nachbartisch geholt hatte, fand ich heraus, dass der Orangenspiegel eine süsse Orangen-Sahne-Sauce ohne jede Säure war, dem Couscous das Gewürz komplett fehlte und er zudem in eine Flanform gepresst und gestürtzt worden war - mit dem Ergebnis, dass er aussen eine eklig elastische Haut bildete. Das Gemüse war nicht genug gekocht und jetzt kommen wir zum grössten Problem: Die Ente war komplett durch. Völlig. Grau. Gummig. Trocken. Katastrophe.

Und ich frage mich: Wieso passt man als Restaurantbesitzer das Menu nicht den Fähigkeiten seines Chefs an? Es wäre doch viel besser, wenn man ihn kochen lassen würde, was er wirklich kann. In diesem Fall Toast.

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