Brunch: Die zweitschönste Beschäftigung am Sonntagmorgen

In letzter Zeit - Frühling und so - zieht’s einen regelmässig am Sonntag raus aus dem Bett und an ein Buffet. Deshalb hier jetzt das “Brunch-Special” in chronologischer Reihenfolge:

Brunch in der Sonne ist so ungemütlich, wie ich mir auch jeden anderen Besuch in dieser Lokalität vorstelle.  Man lasse sich von ihrem Romantik-Slogan nicht täuschen: Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Das Buffet ist zwar nicht schlecht bestückt, die Preise jedoch überrissen, das Personal fröstelig kühl und Getränke muss man extra bezahlen. Das war also eine “einmal-und-nie-wieder”-Geschichte.

Wenn man mich allerdings fragen würde, ob ich lieber noch mal in die Sonne brunchen gehen möchte, oder lieber ins Pain Quotidien, wäre die Antwort klar: Ich würd mich jeden verdammten Sonntag in die Sonne setzen. Denn das Pain Quotidien an der Löwenstrasse unterbietet sämtliche qualvollen gastronomischen Erlebnisse meines Lebens. Der Prosecco (den man extra bezahlt hat) war still - dafür knurrten unsere Mägen umso lauter. Denn: An einem Sonntagmorgen, wir waren etwa zu zehnt in einem ziemlich leeren Lokal, haben wir ÜBER EINE STUNDE gewartet, bis sie uns einen Brotkorb (!) hingestellt haben. Darin hatte es übrigens nicht mal für jeden ne Scheibe Zopf und ein Gipfeli. Man musste es sich aufteilen. Nebst Brot, Butter und Konfi kann man sich noch drei “Gläschen” aussuchen, d.h. drei in einem Glas servierte Extras. Ich mach’s kurz: Die Wursträdchen waren nicht geschält (Zeit hätten sie ja gehabt), das Rührei en bloc und kalt und an das dritte Ding kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern - man sagt ja, unser Gedächtnis schütze uns vor allzu grausamen Erinnerungen. Ich kann übrigens den Link zu diesem Laden nicht finden - das lässt hoffen. Sie hätten den Konkurs verdient.

Da bietet das Bohemia ein bewährtes Kontrastprogramm: Der Latte macchiato ist gut, die Frühstücksplatten ein Genuss und das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Natürlich kann man sich auch ohne Platte durch die gesamte reichhaltige Brunch-Karte futtern! Das Bohemia ist also zu Recht ein Klassiker unter Zürichs Brunch-Lokalen.

Eine etwas exotischere Brunchadresse ist der Löwen in Meilen. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, das Buffet ist variantenreich bestückt und hat uns sehr gut geschmeckt - einzig der Kaffee aus der Kanne erinnert an ein Billighotel. Speziell zu erwähnen ist übrigens die Kinder-Ecke: Lämempfindliche Gemüter würden sich wohl nicht besonders wohlfühlen - Eltern dagegen schätzen diese Einrichtung wahrscheinlich sehr.

Eine Überraschung der erfreulichen Sorte erlebte ich in der Rüsterei: Das Preis-/Leistungsverhältnis ist ausgezeichnet und die Atmosphäre im Garten einfach toll! Das Buffet ist zwar nicht allzu exotisch und auch nicht überreichlich, dafür aber qualitativ sehr beeindruckend. Völlig umgehauen hat mich der Rauchlachs: Perfekte Würze, zarte Konsistenz und Tranchen in der richtigen Dicke - ich hätt mich allein davon ernähren können. Dann wären allerdings all die anderen köstlichen Dinge (das Rührei fand ich sehr gut, ebenso den Crevettencocktail, die Käseauswahl, das Dessertbuffet sowie den Fruchtsalat) auf der Strecke geblieben und das wär natürlich sehr schade gewesen. Ein Glas Prosecco wird übrigens offeriert. Einziger Wermutstropfen: Kaffeevariationen gibt’s nur mit grossen Überredungskünsten und Wasser muss man extra bezahlen, ausser man bestellt Hahnenwasser im Krug (sie werden zuerst behaupten, sie hätten keinen Krug, aber wenn sie wegen jedem Glas laufen müssen, überlegen sie sich das dann noch mal…).

Fazit: Brunchen werd ich in Zukunft in der Rüsterei und im Bohemia.

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