Can Simoneta: Arrogant und plump

Das Can Simoneta wurde uns sehr ans Herz gelegt: Meine beste Freundin war im Frühling da und hellauf begeistert. Also beschlossen meine Schwester und ich, die hochgelobte Küche auszuprobieren. Man kommt an durch eine Allee alter Olivenbäume und betritt das sehr hell und durchlässig gestaltete Haupthaus mit Blick aufs Meer. Ein wunderschöner Ort. Der Ober, der uns in Empfang nahm, war etwas arrogant und obwohl uns das beiden aufgefallen ist, haben wir uns nicht viel dabei gedacht. Im Nachhinein hätte man das wohl als Omen nehmen und rechtsumkehrt machen sollen.

Auf die Frage hin, ob man einen Aschenbecher kriegen könne, war die Antwort, auf der Terrasse sei Rauchverbot. Das begrüsse ich als Nichtraucher natürlich – trotzdem wäre es angebracht gewesen, einem Gast einen alternativen Ort anzugeben, an dem er seinem verpönten Vergnügen nachgehen kann. Beim Lesen der Karte war ich unschlüssig – vieles fing gut an, hatte dann aber eine Zutat oder Zubereitungsart, die ich mir nicht antun wollte. Meiner Schwester schien es ähnlich zu gehen und deshalb sassen wir recht lange und recht ratlos vor der grossen Auswahl und konnten uns nicht entscheiden.

Die Wahl fiel schliesslich auf grillierte Artischocken mit Ziegenkäsesplittern und lauwarmes Hummercarpaccio. Das bestellte meine Schwester aber wohlweislich ohne Peperoni. Zuerst gab’s aber einen Gruss – oder besser ein weiteres Omen – aus der Küche: Scampitartare mit weisser Schokolade auf Mandarinenirgendwas. Es war aber völlig unwichtig, was sich da drauf getümmelt hat – man schmeckte ausschliesslich die Mandarine. Das hat bereits die mangelnde – oder soll ich sagen fehlende? – Finesse des Kochs entblösst. Meine grillierten Artischocken waren völlig ok. Aber der Hummer war eine Katastrophe: Völlig versalzen und in einer Lime-Thymiansauce, die zwar an sich gut war, aber den Geschmack des Hummers komplett übertönte. Überdies musste meine Schwester einige Arbeit aufwenden, um das „Hummercarpaccio“ zu zerteilen. Sie konnte es nicht fertig essen. Als ich dem Lackaffen von vorhin mitteilte, dass der Hummer a) versalzen war und b) unter der Sauce nicht zu schmecken, tat er zweierlei: Er erklärte mir, dass das Ganze normalerweise mit Peperoni serviert werde und die jetzt weggelassen wurden und hinsichtlich Salz konsultierte er die Küche. Dann kam er wieder und stellte fest, dass er, der Koch und zwei weitere Kellner den Hummer nicht versalzen finden. Aha. Ich schliesse daraus, dass er erstens der Meinung ist, es interessiere mich auch nur das Geringste, wie er den Hummer fand und dass er zweitens offenbar annimmt, eine weitere Geschmackszutat (Peperoni) würde den bereits durch die Sauce in den Hintergrund gedrängten Hummer besser zur Geltung bringen. Nicht nur hat er sich damit als kulinarisch komplett unbedarft entlarvt sondern auch hinsichtlich Kundenhandling als Idiot herausgestellt.

Ich bestelle noch ein – dringend benötigtes – Glas Wein und harre dem Hauptgang. Bei mir ein Zackenbarsch, den ich nur unter Aufbringung meiner gesamten Kräfte zerteilen konnte, der geschmacklich aber nicht zu beanstanden war. Highlight des Abends war das Erbsenpurree mit Kurkuma. Meine geplagte Schwester gab nach einem halben sehr weich gekochten, sehr „böckeligen“ Lamm auf. Wir bezahlten und ergriffen die Flucht.

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