Golosone: Ok

Das Golosone befindet sich ja grad gegenüber der Jelmoli-Garage und liegt deshalb strategisch unschlagbar. Uns hat’s also dorthin verschlagen. Der Service in diesem Lokal ist ja bereits berühmt-berüchtigt, da waren die Erwartungen nicht zu unterbieten. ABER: Kochen können sie ja – dachte ich (gäbe es denn sonst einen Grund, weshalb das Lokal noch nicht in ein Schuhgeschäft umgebaut wurde???). Ich entschied mich für Rucolasalat mit Parmesan und Pomodorini sowie Taglierini al limone – da kann man nun wirklich nix falsch machen. Dachte ich. Der Rucolasalat war fasrig und zu gross, der Essig zu scharf, der Parmesan ok aber die Pomodorini – es waren deren drei!!! – geschmacklos. Wohl als Entschädigung für die fehlenden Pomodorini hab ich beim Verzehr der Taglierini – die Sauce war ansonsten lecker – auf Zitronenkerne gebissen. Hallo? Die sind bitter!! Die macht doch sogar der Jamie-Oliver-ich-koche-um-Chicks-in-die-Kiste-zu-kriegen-Minimalist raus, wenn er was zusammenwurstelt!

Allerdings – und das ist seltsam – kann ich mich darüber gar nicht so wirklich enervieren. Das Essen war doch irgendwie ok… Was hatte ich denn erwartet?

Und nun – es lässt sich nicht vermeiden – zum Service. Der ist ja bereits legendär… Aber soll man sich darüber noch beklagen? Gab’s überhaupt schon mal eine gute Kritik? Kennt irgendjemand irgendjemanden, der dort mal guten Service erlebt hat? Wir kamen jedenfalls rein und ein Junge mit Fussballerfrisur (halblang nach hinten gegelt und mit einem Haarreif versehen) beschied uns: „da oder da“. Damit wandte er sich wieder von uns ab. Wir sassen dann woanders hin. Schon aus Prinzip. Die Dame, die die Bestellung aufnahm, hatte offenbar tiefer liegende Probleme: Sie konnte einem nicht in die Augen sehen. Ich hab’s probiert, ich schwör’s! Aber eine Sekunde da… schon wieder weg. Irgendwann nahm man uns – wir hatten gerade den Hauptgang bekommen – die Salzmühle weg; offensichtlich sind die Mangelware. Alles in allem war’s also gar nicht so schlecht… (das ist der Vorteil, wenn man die Erwartungen tief hält).

Was mich an dieser Stelle von einem – eigentlich verdienten – Verriss abhält, ist folgende Grundverschiedenheit: Wäre ich die Gastgeberin einer gemütlichen Runde und meine Gäste würden mir am Ende des Abends mit einem warmen Lächeln mitteilen, dass alles ganz ok war – ich würde keine Leute mehr bewirten bevor ich mir nicht tief greifende Gedanken über das soeben Geschehene gemacht und sämtliche Tipps von sämtlichen Freunden abgeholt hätte, um mich als Gastgeberin wieder zu rehabilitieren. Jedenfalls käme eine solche Bemerkung einer Ohrfeige gleich. Der Besitzer und das Personal des Golosone hingegen würden sich wahrscheinlich mit einem eben so warmen Lächeln für das Kompliment bedanken, denn man wird das Gefühl nicht los, dass „ok“ genau das ist, was sie anstreben.

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