Greulich zum Zweiten: Charmant und lecker

Das Greulich hat ja mit Marco Hartmann einen neuen Koch und den mussten wir natürlich ausprobieren. Der Innenhof mit dem Expo-Birkenwäldli ist lauschig wie immer. Auch der ausgezeichnete Service von Empfang über Bedienung bis Verabschiedung ist gleich geblieben. Aber wie steht’s um die Kochkünste des Neuen? Das versuchten wir mittels Überraschungsmenu herauszufinden, denn dabei kriegt man nur Dinge vorgesetzt, die nicht in der - eher kleinen - Karte sind.

Wir bestellten also den Viergänger - ohne Dessert dafür mit zwei Zwischengängen. Wie es sich mittlerweise für jeden ambitionierten Restaurateur gehört, wird bereits der Brotkorb zelebriert. Hier mit drei verschiedenen Sorten Brot, Kresse zum Selberschneiden, handgeschlagener Butter mit Fleur de Sel und Thymian sowie grünen Oliven. Nicht zu ausgefallen und doch nicht langweilig - uns gefällt’s.

Los geht’s mit einem Trio: In der Erbsensuppe schwimmt ein Eiswürfel, der mit Pfefferminze aromatisiert wurde. Und das hat man sogar geschmeckt! Eine nicht alltägliche aber gute Kombination. In der Mitte ein Lachstartare auf Gurkentartare aus eingelegten Gurken, darauf ein Sauerrahmespuma. Gut, aber die Gurken waren mir im Vergleich zum Lachs zu intensiv gewürzt. Rechts hausgebeizter Lachs auf Meerrettichmousse, einem kleinen Randenstück (das man zum Glück nicht schmecken konnte) und das ganze aufgeschichtet auf einer Art Vollkorncracker, der aber leider extrem gummig war.

Dann passierte erst mal gar nichts.

Nein, immer noch nicht.

Das Tischgespräch drohte zu versiegen, denn wir waren vollauf damit beschäftigt, den Kellnern nachzusabbern, während sie andern Leuten Essen brachten.

Dann endlich der konfierte Kabeljau auf Blattspinat mit Walnussölemulsion, oben drauf eingelegte Zwiebelchen (wieder in Tartareform - da scheint eine Legion Küchenhelfer den ganzen Tag nichts anderes zu machen, als extrem kleine, perfekt symmetrische Würfelchen zu schneiden). Eine etwas weniger lange Wartezeit hätte dieser Fisch locker wettgemacht - er war ausgezeichnet, perfekt gegart, das Fleisch sehr aromatisch, der Spinat extrem zart. Was ich nicht ganz verstanden hab, ist, wie man einen Fisch konfiert. Aber das mag sein Geheimnis bleiben, solange es so rauskommt.

Danach ging’s weiter zu einer frischen gebratenen Fois Gras auf und unter Steinplizen. Erstere war gut, letztere eher fad. Hinzu kommt, dass der Jus für meinen Geschmack zu wenig Süsse besass, um die Fois Gras perfekt zu begleiten.

Der Hauptgang bestand aus durchgebratenem Entrecôte. Das Fleisch war an sich sehr aromatisch, aber einfach durch. Tot. Kaputt. Trocken. Dazu gab’s Gemüse und ein sehr feines Mousse aus Resina Bohnen - nie gehört aber sehr lecker.

Leider können sie keinen Kaffee kochen - den bitteren Espresso haben wir bereut. Dazu gibt’s Lollypops aus Aprikosengelée und mit Schokolade umhülltes Beerenglace.

Wir waren ein bisschen hin und hergerissen. Einerseits war da die lange Wartezeit und das durchgebratene Fleisch. Andererseits war alles andere sehr gut bis ausgezeichnet, die Servicequalität überdurchschnittlich und der Preis für vier Gänge (ca. CHF 100) angemessen.

Aber dann starten sie eine Charmeoffensive und offerieren uns wegen der langen Wartezeit (unausgesprochen mitgemeint war wahrscheinlich auch das trockene Fleisch) die vier Prosecco, die wir hatten. Ziemlich beeindruckt gehen wir zufrieden nach Hause.

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