Griechenland: Auch gastronomisch am Abgrund

Letzten Herbst waren wir gut zwei Wochen in Griechenland, island hopping at first und dann drei Tage in Athen. Gut, die Griechen sind nicht berühmt für ihr Essen. Und will man sich nicht nur von Tzaziki und Yoghurt mit Honig ernähren, muss man schon wahnsinnig Glück haben. Dies jedenfalls waren - kurz zusammengefasst - meine Vorurteile gegen die griechische Küche als wir uns in Richtung Athen in den Flieger setzten.

Herausgefunden habe ich: Es gibt Griechen, die können schon kochen. Man darf einfach nix bestellen, das anfängt mit “typical greek…”. Denn dann findet man sich regelmässig mit der schlimmstmöglichen Version dessen konfrontiert, was man mit den angegebenen Zutaten machen kann. Hier der kulinarische Reisebericht (da sie da unten sowohl die Entwicklung von funktionierenden Abwassersystemen wie auch die des Internets komplett verpasst haben, gibt’s nicht überall Links):

Am Tag nach unserer Ankunft in Parikia folgten wir der Empfehlung des Hotels und gingen im Apostolis (Livadia Beach Parikia, 84400 Paros Greece, +30 (22840) 24265) essen - das sei bekannt für seine gute Fischküche (erst noch was zum Hotel: Wir waren sehr begeistert vom Preis-/Leistungsverhältnis der kleinen und persönlich geführten Pension Siroco’s. Alle Mitarbeiter waren extrem freundlich und hilfsbereit und ich habe den Aufenthalt als sehr angenehm empfunden). Also jedenfalls gingen wir ins Apostolis. Was erst aussieht wie eine weitere Touristenfalle, hat sich als ziemlich gutes Fischrestaurant entpuppt, das offenbar auch viele Griechen frequentieren (ob’s Einheimische oder Touristen vom Festland waren, kann ich natürlich nicht sagen). Jedenfalls war mein Red Snapper tadellos. Klar, dass ich den Griechenlandurlab vorab mit Tsasiki einläuten musste. Leider haben wir  jedoch feststellen müssen, dass die Griechen kein Bier brauen können (ja, meine deutschen Freunde , ich weiss - die Schweizer können das auch nicht. Aber Ihr habt das griechische Wässerchen noch nicht probiert!).  Jedenfalls fanden wir, “Mythos” sei unpassend und tauften es auf “Pfützos” um.

Nach dem ersten Kitesurfing-Versuch (das war ja schliesslich der Grund, weshalb wir in Parikia waren - nicht etwa das Essen:-)) wurde uns die Pizzeria Hibiscus (+30 (22840) 21849) empfohlen. Wenn das die beste Pizza ist, die sie auf dieser Insel hinkriegen, ernähr ich mich in Zukunft von Tsatsiki und Importbier - so mein fester Entschluss nach dem enttäuschenden Restaurantbesuch.

Einen Tag später waren wir im berühmten Apollon zu Gast. Das hat einen wirklich wunderschönen Innenhof und eine sehr romantische Atmosphäre. Ich hab allerdings den kardinalen Fehler gemacht, etwas “typisch griechisches” zu bestellen. Man habe Nachsicht mit mir: Man will doch die lokale Küche kennenlernen und ich dachte, in einem guten Restaurant könnten sie’s nicht verhauen. Falsch. Es war irgendein geschmortes Stück Fleisch in einer undefinierbaren Sauce. Kein Wunder haben die Retsina erfunden - der übertönt noch das grausligste Essen.

Danach ging’s per Schnellfähre nach Mykonos. Um den ersten kleinen aufkommenden Hunger zu stillen, haben wir in einem kleinen französisch aussehenden Restaurant vis-à-vis der Fährenanlegestelle gegessen, das zwar ausgezeichnet war, das ich aber nicht mehr finden kann :-(.

Am Abend hatten alle uns empfohlenen Restaurants geschlossen und irgendwann sind wir - von Hunger getrieben - in einer Touristenfalle gelandet. Ich habe - ok, das war ein Fehler - “Fillet” bestellt. Einfach so, “Fillet”. Die Sauce konnte man auswählen, die Fleischsorte blieb im Dunkeln. Als es kam, habe ich es angeschnitten, ein Foto gemacht und es wieder hingelegt. Ich konnte es nicht essen, es war so extrem eklig (das gilt auch für den Reis links und die Pommes rechts…). Ich konnte nicht mal fassen, dass man sowas überhaupt servieren kann - deshalb das Beweisfoto. Muss ich noch erwähnen, dass die Bedienung durch den Tätschmeister katastrophal unfreundlich war (seine Untergebenen haben das dann jeweils versucht wettzumachen). Meidet also bitte das Kotzas um jeden Preis. Esst die Erdnüsschen aus der Minibar, drinkt von mir aus Pfützos, aber lässt das Kotzas aus (ok, ich geb’s zu, es heisst nicht Kotzas sondern Kosta’s. Aber Kotzas wär viel treffender gewesen).

Zur Erholung von solchen Strapazen, empfiehlt sich übrigens das Theoxenia. Auf weissen Sofas rumlümmeln, Drinks schlürfen und dem Sonnenuntergang über dem Meer zusehen, während im Hintergrund angenehme Musik plätschert und die unaufdringliche Bedienung neue Drinks bringt. Aaaaaahhhhhhh.

Am nächsten Abend gehen wir ins Fresh. Das sieht extrem cool aus - wie so vieles auf dieser Insel! Davon verführt, bestelle ich mal wieder was “griechisches”. Offenbar lern ich’s nicht mehr. Wenn draufsteht “Linguini mit Tomätchen und Fleisch” dann hat man doch einen Teller Linguini vor Augen mit Cherrytomätchen und Fleisschstückchen. Falsch. Man kriegt 2cm lang geschnittene, völlig verkochte Linguini mit kleinen Fetzen Siedfleisch, das nach Katzenfutter riecht. Bhuää. Die Spareribs vorneweg waren jedoch interessant und ok. Mehr als ok war der Service - diesbezüglich, finde ich, werden die Griechen ihrem schlechten Ruf nicht gerecht.

Danach geht’s nach Paros zurück und nach einem Apéro in der Pebbles Bar gehen wir ins Levantis. Eine Offenbarung. Die können ja so richtig gut kochen. Natürlich werden wir überaus freundlich bedient – wie überall. Mein Liebster nimmt mariniertes Fleisch, dünn geschnitten mit einem kleinen Salätchen. Ich versuche zuerst das Lachsmousse mit Birnen (apart) und anschliessend die Kalbsleber, die in Balsamico mariniert wurde und deshalb nach kurzem Dreh in der Pfanne eine süsse Kruste hat und innen noch perfekt roh ist. Dazu eine exzellente Mischung aus Reis und Linsen – umwerfend. Weil der Shiraz ausgegangen ist, lassen wir uns einen Wein empfehlen und die Wahl der Kellners ist exzellent. Passt perfekt. Anschliessend gönnen wir uns noch ein gemeinsames Schokosoufflé… Hmmmmm… Umwerfend. Ich bestehe darauf, dass wir ab sofort jeden Abend dort essen, muss mich dann aber auf den Kompromiss einlassen, nur jeden zweiten Abend hinzugehen (er besteht darauf, dass wir jeden zweiten Abend in Nick’s Hamburgers essen - offenbar ist er der griechischen Küche auch müde :-)). Wir assen uns in der Folge quer durch die Karte und ich bin jetzt noch hellauf begeistert (und hab natürlich die Karte abfotografiert). Ich hatte unter anderem Ravioli (von denen ich allerdings nicht wusste, dass sie mit Randen waren, die ich aber trotzdem mochte), mein Liebster Curry-Seafood-Suppe. Er mochte die Shrimps darin lieber wie die Lachsstückchen, aber ich fand auch den Lachs sehr gut. Die Suppe selbst, etwas Curry, ein bisschen spicy aber ansonsten ein abgerundeter Geschmack, hat mir sehr gut geschmeckt. Er hatte er einmal Octopus Risotto, das ihn aber nicht vollends zufriedenstellte, weil man den Wein darin zu stark herausschmeckte. Ich hatte in Honig mariniertes Lamm aus dem Topf mit Zwetschgen, Birnen und nochwas auf Couscous und es war ein Traum. Einfach ausgezeichnet, ich liebe dieses Restaurant. Dazu wieder derselbe Wein (leider weiss ich immer noch nicht, wie er heisst: Kikkoirgendwas) und natürlich durfte auch das Schokosoufflé nie fehlen!

Zwischendurch waren wir noch auf Santorini. Und da ist es halt leider so, dass man ständig das Gefühl hat, abgezockt zu werden. Der Service ist so so la la, die Qualität auch, das Hotel ebenfalls, aber alles ist richtig teuer - in der Nachsaison! Du fühlst Dich, als wollten sie Dir sagen: Wir haben’s nicht nötig und anzustrengen, wir können schlampig und unfreundlich sein und Du bezahlst trotzdem, was wir verlangen, denn wir haben die spektakuläre Aussicht. Und es stimmt. Die Aussicht ist spektakulär. Man sollte sich einfach von vornherein bewusst sein, dass man auf dieser Insel ausschliesslich die Aussicht bezahlt. Wir übernachteten im Hotel Caldera’s Lilium Villa. Das liegt - entgegen ihren eigenen Angaben - ca. 3 Km (!!) ausserhalb von Fira und sie verlangen 150 Euro für ein Zimmer mit Meerblick. In der Nachsaison! Die Aussicht ist spektakulär, das Mobliliar allerdings zusammengewürfelt und vor allem etwas schäbig. Z.B. haben die Handtücher Löcher und fühlen sich an wie Schmirgelpapier. Auch wenn’s wenigstens einen sauberen Eindruck macht (jaaa, ich versuche krankhaft, was positives zu finden), ist’s haltlos überteuert. Man muss sich das so vorstellen: Jeder Gegenstand im Zimmer passt irgendwie nicht zu den anderen. Die roten Vorhänge kontrastieren das blau-grüne Muster an der Wand aufs unangenehmste. Der geflochtene Lampenschirm, der auf einem geschnitzten Wurzelholzsockel sitzt, verträgt sich nicht mit dem restlichen schlichten Interieur. Das Sofa ist beige, die Tischchen entweder mit Glas oder weissem Marmor belegt… Das Bad ist geräumig aber der Duschschlauch zu kurz, um den Brausekopf in die Halterung zu stecken. Deshalb ist er völlig zerrissen. Der Duschvorhang ist so lang, dass man ständig aufpassen muss , dass man nicht drauftritt und dann logischerweise ausrutscht.

Den Nachmittag verbrachten wir - nach dem obligaten Sightseeing - bei Drinks in Franco’s Bar - einer sehr gut bestückten Bar mit atemberaubendem Blick und klassischer Musik im Hintergrund. Muss man erlebt haben! Dann ging’s in einem ziemlichen Fussmarsch ins Vanilia, das uns empfohlen wurde. Misstrauisch geworden, fragte ich zuerst, ob sie was mit dem “Catch of the day” gemacht hätten. Aber der Kellner versprach mir, sie hätten ihn bloss aufgespiesst und gegrillt. Da hab ich’s gewagt. Und das Essen war gut (rückblickend muss ich sagen, das Essen war bloss ok, aber damals hatten wohl all die anderen grauenvollen Erlebnisse meine Standards etwas verschoben). Ich hatte Ruccola/Lettuce-Salat mit getrockneten Tomaten und Melone, mein Liebster entschied sich für Fishcakes – und beklagte sich darüber, dass das Gewürz wohl vergessen gegangen sei. Dann gab’s Schwertfisch vom Grill für mich (wurde am Spiess gegrillt und dann rücksichtsvollerweise abgespiesselt, Reis (ohne Salz), ganze Spinatblätter mit Stiel (unmöglich zu essen) und Broccoli. Er hatte die Spaghetti Marinara – sehr lecker und dazu einen griechischen Sirah 2003 vom Festland. Zum Abschluss gab’s das obligate Schokoladensoufflé, das ebenfalls nicht enttäuschte.

Ich muss nochmals auf das grauenvolle Hotel zurückkommen, denn das Frühstück war ne Katastrophe. Hatte ich bis dahin die griechische Gastfreundschaft wirklich extrem genossen, war uns an diesem Morgen wohl die sprichwörtliche Ausnahme, die die Regel bestätigt, begegnet. Bis auf das Brot (inkl. Croissants) und alles Abgepackte war das Essen fürchterlich. Pressfleisch der billigsten Sorte, Salami, die „schwitzte“ vor Fett, Dosenfrüchte und billige, wässerige Pseudofruchtsäfte. Der Kaffee hätte in einem Blindtest schlicht nicht als solcher erkannt werden können und eben – der Service war katastrophal. Als ich mir ne Zeitung geholt hab, kam irgendeiner angeschlurft und hat von der Mitte des Raumes aus irgendwas gemurmelt. Ich hab’s echt etwa viermal nicht verstanden. Dann ging mir auf, dass er nicht gekommen ist, um mich zu fragen, ob ich Kaffee oder Tee möchte, sondern dass er mir mitteilte, die Zeitungen seien „for sale“!! Ich freu mich schon auf das Mail von booking.com, das mich auffordern wird, meinen Aufenthalt hier zu werten.

Nachdem wir zurück in Paros nochmals im Levantis und - natürlich - bei Nick’s Hamburgos waren, ging’s ab nach Athen und das ist schnell zusammengefasst. Wir haben nur bei einer Gelegenheit gut gegessen, das war dann dafür sensationell. Das Kuzina bietet einen wunderschönen Blick auf die Akropolis und macht ebenso spezielles wie ausgezeichnetes Essen. Zum Glück konnten wir unseren Urlaub mit diesem kulinarischen Höhepunkt beenden.

Alles in allem sind die Griechen gastfreundlicher als ihr Ruf und können manchmal sogar kochen. Man sollte daraus jedoch keinesfalls ableiten, dass man Gerichte bestellen soll, die mit “typical greek” beginnen. Das wäre ein kolossaler Irrtum, den man unweigerlich sehr bereuen wird. Am eindrücklichsten scheint mir der Vergleich meiner ebenbürtigen Hälfte (;-)): Die Italiener haben ein bisschen weiter westlich etwa dasselbe Klima und dieselben Rohstoffe… auf der einen Seite haben wir frischen, zutatenorientierten Mittelmeerfood vom feinsten und auf der anderen einen Frittierfetischismus der seinesgleichen sucht. Und was nicht frittiert ist, wird zerkocht, zermantscht oder sonstwie entstellt. Die Griechen sind nicht nur finanziell bankrott.

One Response to “Griechenland: Auch gastronomisch am Abgrund”

  1. Have you done *anything at all* to the fish? ;-)

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