Metropol: Stümper am Werk

Heute Abend war ich auf ein kleines leichtes Znacht im Metropol. Meine Freundin und ich sassen unter den Arkaden und genossen unser Gespräch, bis der Kellner uns den Spass verdarb. Nachdem wir gefragt hatten, ob man auch draussen an den Bistro-Tischchen was essen könne, hat er uns die Speisekarte gebracht. Wir - immer noch ins Gespräch vertieft - haben ne ganze Weile nicht reingeschaut. Er kam zweimal vorbei und fragte, ob wir schon gewählt hätten. NEIN - die Karte liegt immer noch offen da, Sie inkompetenter Depp. NICHT gefragt hat er uns, ob wir vielleicht was trinken möchten. Als er wieder mal nach der Bestellung fragte, schlug ich meiner Begleitung einen Apéro vor. Wir bestellten also beide Tomatensaft mit Pfeffer und Zitrone. Die Reaktion war - wörtlich - die folgende: Also nur leicht gewürzt? Hä??? Nein - nicht gewürzt. Mit Pfeffer und Zitrone. Der Tomatensaft kam und mit ihm ein kleiner Pfefferstreuer mit noch kleineren Löchern (drei an der Zahl), den wir in der Folge schüttelten, bis uns das Handgelenk weh tat. Als die Zitrone ausgepresst war, fiel uns auf, dass wir erstens nix zum Umrührn hatten und zweitens auch keinen Platz, wo wir die Zitrone hätten hintun können… Ziemlich bescheiden.

Ich entschied mich für Salat mit Kernen und Croutons und das kleine Rindstatar. Der Kellner warf uns unsere Sets, Servietten und das Besteck hin, schenkte das vor einer Ewigkeit bestellte Wasser ein und - wir sassen nahe beieinander ums Eck - stellte die Flasche direkt zwischen uns! Er musste sich sogar über den Tisch lehnen, um so weit nach hinten zu kommen!

Spätestens als ich die Flasche mit einem hörbaren Seufzer wieder aus dem Gesicht meiner Freundin entfernte, hat ihm wohl gedämmert, dass ich ihn für einen Stümper halte und fortan bediente er mit irgendwas, das er wohl mit Charme verwechselte. Jedenfalls zwinkerte er jetzt bei jedem Satz mit einem Auge und fragte auffallend oft nach, ob denn alles ok war.

War’s nicht. Der Salat war ok. Das Tatare war eine Qual. Aber ich greife vor: Das Tatare wird in einem Teller mit vier Vertiefungen serviert. Ein Plätzchen war für die - versalzenen aber ansonsten guten - sautierten Pilze reserviert, in einem andern Viertel befanden sich die Kapernfrüchte, Karottenstreifen (!!!!?????), halbe Essiggürkchen (!!!??????) und sonstiges überflüssiges Zeugs. Im Viertel oben rechts konnte man das Highlight des Hauptgangs finden: Eine herrliche Senf-Salz-Butter-Mischung - ich hätt mich reinlegen können! Unten rechts nun fand man - bei genauem Hinsehen - das Tatare. Wir kamen überein, dass es wohl 3 cm auf 3 cm im oberen Querschnitt und weitere 3 cm in der Höhe hatte. Winzig also. Dazu schmeckte es einzig nach Ketchup und Pfeffer. Wahrscheinlich hat sich der Servierboy auch deshalb nicht die Mühe gemacht, mich zu fragen, wie ich’s denn gern hätte - bei der Quantität wär das zuviel des Aufwands. Dass es nur so wenig ist, stört einem hingegen nur anfangs: Nachdem man es probiert hat, ist man heilfroh, dass es nicht mehr ist.

Leave a Reply