Mövenpick: Konversation unmöglich

Ein Grund, in einem schönen Restaurant zu essen, ist es ja, bedient zu werden. Man muss nicht aufstehen, um nachzuschenken, mehr Brot zu schneiden, den nächsten Gang zuzubereiten usw. Stattdessen kann man sich – in einer hoffentlich angenehmen Atmosphäre – dem Genuss und dem Gegenüber widmen. Allerdings stellt sich leider immer wieder heraus, dass es offensichtlich nicht ganz einfach ist, der zum Genuss entschlossenen Person denselben nicht zu verderben. Noch immer kann ich mich nicht damit abfinden, dass dem Servicepersonal völlig egal ist, ob der Gast gerade isst oder trinkt. Man ist ja schliesslich im Dienst und hat nicht ewig Zeit (der Gast hingegen hat offensichtlich nix besseres vor). Mehr oder weniger fröhlich wird ihm zu jeder Unzeit ein „Isches guet?“ oder „Ales rächt bi Ine?“ zugerufen. Auch scheinen sich die Damen und Herren in Schürze nicht daran zu stören, wenn sie auf die Antwort etwas warten müssen. So stehen sie also da und beobachten genau, wie sich der höfliche Gast entweder beinahe verschluckt oder aber hastig den Bissen runterwürgt, um Antwort geben zu können. Manchmal fummeln sie auch ein bisschen am Brotkörbchen. Schuldbewusstsein Fehlanzeige. Nur sehr selten hatte ich in letzter Zeit das Vergnügen, einen Professional kennenzulernen, der bei meinem höflichen Nicken auf seine zur Unzeit geäusserte Frage (ja, ein höfliches Nicken ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen – kombiniert mit einem wahlweise kritischen [beim ersten Mal] oder genervten Blick [bei jedem weiteren Mal] ist die absolut korrekte Art, auf solcherlei zu reagieren) sich sofort entschuldigte und augenblicklich verschwunden war. Und spontan fällt mir nur ein Lokal ein, bei dem ich vor Fragen zur Unzeit bestimmt verschont bleiben werde, weil für diesen Gastgeber solche Dinge schlicht undenkbar scheinen.

Es stellt sich jedoch heraus, dass diese ungebührliche Fragerei nur was für Service-Anfänger ist – Profis haben noch ganz andere Tricks auf Lager:

Unsere Bedienung im Restaurant Mövenpick in Regensdorf – ja, ich weiss, das Mövenpick ist eigentlich kein Restaurant sondern eine Art Auftau- und Verteilstation für den bereits fertig angelieferten Frass – deshalb halte ich mich mit Kritik am Essen auch zurück… for now. Unsere Bedienung jedenfalls konnte die Qualität des Vorspeisenbuffets noch unterbieten! Natürlich quietschte sie jedes Mal „isch guet?“ zum völlig falschen Zeitpunkt. Und selbstverständlich wusste sie mit meiner oben beschriebenen subtilen nonverbalen Kommunikation nichts anzufangen. ABER: Sie kam kein einziges Mal an unseren Tisch, ohne das angeregte Gespräch zwischen meiner Leidensgenossin und mir zu unterbrechen! Man muss sich das mal vorstellen – da rauscht sie an und redet schon, bevor sie überhaupt zum Stehen kommt. Und das in einer Lautstärke, die es uns verunmöglichte, unser Gespräch weiterzuführen. Hätte ich eine weniger höfliche und konziliante Tischpartnerin gehabt, hätte ich das Gespräch meinerseits unbekümmert weitergeführt und einzig die Lautstärke dem Umgebungslärm angepasst.

Ich fasse also zusammen – man geht in ein Restaurant, um nicht – wie beim Selberkochen – das Gespräch und die Aufmerksamkeit für seinen Gesprächspartner dem Takt des Hungers und der Menufolge anpassen zu müssen, und findet sich in einer Situation wieder, in der man dem fehlenden Taktgefühl des Servicepersonals ausgeliefert ist. Mir vergeht da ab und zu schon mal der Appetit. Ich finde, es sollte das erste Bestreben einer Gaststätte sein, dem Gast ein wohliges Gefühl zu vermitteln. Ihn unauffällig aber unmissverständlich ins Zentrum der Bemühungen zu rücken. Natürlich müssen die Bemühungen auch Wirkung zeigen – ein „gibt sich und hat Mühe“ lockt uns wohl kein zweites Mal in ein Restaurant. Aber wie schwierig kann es sein, sein Personal an ein paar simple Regeln zu gewöhnen? Nebst der einfachen Grundregel, dass man Gäste nicht unterbricht (weder beim Kauen noch beim Sprechen), braucht man sich zum Beispiel nicht über den Tisch zu lehnen, um nachzusehen, ob auch nichts fehlt – das kann man genauso gut aus angemessener Distanz erledigen. Darüber, dass ich meiner Mutter regelmässig die mir zuerst überreichte Karte weiterreichen muss, darf ich mich wohl nur im Stillen ärgern – oder aber hier.

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