Cisalpino: Die rollende Katastrophe

In Mailand kamen wir auf die glänzende Idee, während der Heimreise im Speisewagen des Cisalpino etwas zu essen - das lässt die Zeit schneller vergehen und ein kleines bisschen Hunger hatten wir auch. So setzen wir uns also hin und anfangs ist’s recht gemütlich. Dann wird’s langsam etwas langweilig, denn es passiert absolut gar nichts. Aber halt! Da schiebt eine übellaunige Servierdüse im Zeitlupentempo einen Wagen vor sich her… und beginnt die (unbesetzten) Tische zu decken. Hm. Ok. Leider sitzen wir am falschen Ende. Als sie dann nach einer Ewigkeit zu uns kommt, lächle ich sie an und bestelle ein Bier. Antwort: “Solo mangiare”. Ich: Ja, schon mangiare, aber erst mal bere. Und zwar ein Bier, bitteschön. Keine Chance.  Read more »

Pumpstation: Paradox

Die “Pumpi” ist ja eine Art Paradoxon: Man sitzt auf ziemlich unbequemen Stühlen, meist mit fremden Leuten zusammen, an einem Tisch, hört den Abendverkehr auf der Seestrasse vorbeidonnern, kriegt einigermassen regelmässig eine Rauchschwade vom Grill ins Gesicht und wird von ziemlich unfreundlichen Menschen mit überteuertem Essen versorgt. Und trotzdem geht man immer wieder hin. Und findet’s toll. Mehr hab ich dazu auch nicht zu sagen.

Brunch: Die zweitschönste Beschäftigung am Sonntagmorgen

In letzter Zeit - Frühling und so - zieht’s einen regelmässig am Sonntag raus aus dem Bett und an ein Buffet. Deshalb hier jetzt das “Brunch-Special” in chronologischer Reihenfolge: Read more »

Bürgli: Ein sicherer Wert

Letzte Woche war ich wieder mal im Bürgli. Normalerweise gibt’s da ja Salat, Entrecôte Café de Paris mit Pommes und dann - nach einer längeren Pause - Schoggichueche. Aber diesmal entschied ich mich nach einem Apéro auf der Terrasse für eine Rauchlachsroulade auf Rucola und Limetten-Sourcream sowie die vom Kellner empfohlenen Lamm-Racks mit Gemüse. Mein Gegenüber bestellte Salat und Lamm mit Meerrettich-Kartoffelstock. Um es kurz zu machen: Das Essen war sehr gut - perfekt ergänzt durch einen Clos Martinet 2005. Nur der Kellner… Read more »

Metropol: Stümper am Werk

Heute Abend war ich auf ein kleines leichtes Znacht im Metropol. Meine Freundin und ich sassen unter den Arkaden und genossen unser Gespräch, bis der Kellner uns den Spass verdarb. Nachdem wir gefragt hatten, ob man auch draussen an den Bistro-Tischchen was essen könne, hat er uns die Speisekarte gebracht. Wir - immer noch ins Gespräch vertieft - haben ne ganze Weile nicht reingeschaut. Er kam zweimal vorbei und fragte, ob wir schon gewählt hätten. NEIN - die Karte liegt immer noch offen da, Sie inkompetenter Depp. NICHT gefragt hat er uns, ob wir vielleicht was trinken möchten. Als er wieder mal nach der Bestellung fragte, schlug ich meiner Begleitung einen Apéro vor. Wir bestellten also beide Tomatensaft mit Pfeffer und Zitrone. Die Reaktion war - wörtlich - die folgende: Also nur leicht gewürzt? Hä??? Nein - nicht gewürzt. Mit Pfeffer und Zitrone. Der Tomatensaft kam und mit ihm ein kleiner Pfefferstreuer mit noch kleineren Löchern (drei an der Zahl), den wir in der Folge schüttelten, bis uns das Handgelenk weh tat. Als die Zitrone ausgepresst war, fiel uns auf, dass wir erstens nix zum Umrührn hatten und zweitens auch keinen Platz, wo wir die Zitrone hätten hintun können… Ziemlich bescheiden. Read more »

Al Pont de Ferr: Phantasie und Können

Am Sonntagabend ging’s ins Al Pont de Ferr (55, Ripa di Porta Ticinese, Milano; Tel. 02.89406277). Dort assen wir auch schon den Rauch einer Cohiba in einem Schokodessert… Aus ethischen Überlegungen hab ich darauf verzichtet, drei Gänge bestehend aus Gänseleber zu ordern und probierte es stattdessen mit la tartare di vitellone di razza chianina leggeremente affumicata con tuorlo d’uovo di quaglia caramellato e gelato alla senape. Danach sollte es pluma di maiale Iberico al forno, lasciata rosata con crema di burrata e ricci di mare sein. Meine Schwester entschied sich für die animelle di vitello crocanti su zuppetta di ricotta di capra con scampi spadellati e polvere di caffe. Aber ach… Read more »

Cantina della Vetra: Ein Muss für Burrata-Fans

Dieses Wochenende zu Besuch in Mailand, zwang ich meine Schwester, mit mir in die Cantina della Vetra zu gehen, denn dort gibt’s die weltbeste Burrata… Ein cremiges Stück Himmel, von dem man nicht genug haben kann. Nachdem uns der Besitzer auf die Schnelle ein Tisch für vier organisiert hat, sitzen wir in der alten Gaststube, deren hohe Wände mit allerlei Zeugs vollgehängt sind und zusammen mit dem weichen Licht blitzschnell für gelöste Stimmung sorgen. Natürlich hat die Burrata nicht enttäuscht. Und ich werde auch weiterhin pro Mailand-Besuch mindestens einmal in der Cantina Burrata essen. Als Secondo hatte ich Tagliata mit Salat bestellt und sehr genossen. Ich kann mich also in keiner Weise beklagen - auch wenn meine Schwester darauf besteht, dass das Essen ansonsten eher durchschnittlich ist.

Park-Hyatt Restaurant: Grand-Hotel-Feeling mit innovativem Konzept

Gedämpftes Licht, unfassbar bequeme Sessel und dazu eine Bedienung, die ernsthaft Grand-Hotel-Qualitäten hat. Sich im Restaurant parkhuus wohlzufühlen, fällt leicht. Aber können sie auch kochen? Read more »

Kantorei: Mehr Schein als Sein

Die Kantorei hab ich immer bewundert. Die hohen Räume, die Bleiglasscheiben, das warme Licht – alles einfach wunderschön. Gestern waren wir nun dort essen und leider gibt’s darüber nicht besonders viel Gutes zu erzählen. Der Salat kam mit den angekündigten Gemüsetaschen (das sind kleine dreieckige Flülingslollen mit dickerem Teig und sehr viel Koriander) sowie der italienischen Sauce UND einem höchst unerwünschten riesigen Knäuel Randensprossen. Dazu mal was Grundsätzliches: Was früher der Peterli und bei den Pseudo-Asia-Restaurants der Koriander sind heute die Randensprossen. Sie dürfen auf keinem Gericht fehlen. Auf gar keinen Fall. Denn die haben eine so schöne Farbe! Macht ja nix, dass sie wie Erde schmecken – irgendwas muss man ja drauftun. (Ha! Nein, muss man nicht! Anm. d. Verf.) Und weil sich mittlerweile rumgesprochen hat, dass Peterli nun wirklich nicht überall dazupasst, müssen wir jetzt Randensprossen en masse vertilgen. Read more »

Zum Grobe Ernst: Ernsthaft gut

Zmittag im „Zum Grobe Ernst“. Begrüsst wird man nicht nur freundlich vom Kellner sondern auch mit Salami auf einem kleinen Holzbrett und Tomatenbrötli. Letztere sehen zwar etwas unappetitlich aus, sind aber sehr lecker und eine willkommene Abwechslung zum normalen Brotkorb (den’s übrigens auch gibt). Ein Gläschen Sherry (wie ich vermute), kriegt man gleich mit der Karte und so fühlt man sich denn in der kitschig-überladenen aber trotzdem sehr gemütlichen Atmosphäre auf den bequemen Bänken sehr wohl. Die Karte macht es einem nicht ganz einfach. Einerseits aufgrund der Auswahl, andererseits weil auf Hinweise im Stil von „im Estragonjus mit Orangenöl verfeinert“ oder „mit asiatischen Aromen parfümiert” oder “an Gewürz-Espuma” völlig verzichtet wird. So bestelle ich denn ein „Lammfilet“ und meine Begleitung ein „Kalbskotelette“ – jeweils mit der Pasta des Hauses, den Nüdeli Ernesto. Voraus gibt’s für ihn eine Hummer-Suppe (nein, keine Bisque – eine Suppe, wie ich mit einigem Vergnügen feststelle) und für mich Knobli-Crevetten. Wir kommen überein, dass hier wohl so genannt „ehrliche“ Küche betrieben wird – im besten Sinn des Wortes. Read more »