Rüsterei: Verliiiebt… nein, nicht ich - der Koch

Wow - hier lässt sich’s sein! war mein erster Gedanke beim Betreten der Rüsterei, die in einer grossen ehemaligen Industriehalle untergebracht ist. Gedämpftes Licht, Kerzen, Industrial Chic (zu chic für die Einen - genau richtig für mich), man wird empfangen und zu Tisch begleitet und setzt sich auf senstaionell bequeme Stühle. Die Bedienung ist aufmerksam und zurückhaltend. Das Angebot ist etwas beschränkt aber das kann ja durchaus ein sehr gutes Zeichen sein. Und: Eine Seite ist längst vergessenen Sorten gewidmet, die mit Hilfe von Pro Specie Rara wieder unter die Leute gebracht werden sollen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Genauso wenig wie die gebackenen Kalbsmilken. Das war allerdings ein Fehler. Wie soll man’s am besten formulieren? Gibt es einen schonenden Weg? NEIN. WER MILKEN IN PANADE PATSCHT, GEHÖRT GEHÄNGT. Schon wieder ein Kalb, das umsonst gestorben ist. Milken haben ja diesen unglaublich feinen, schwer zu beschreibenden etwas nussigen Geschmack und vergehen - kurz in Butter geschwenkt - auf der Zunge. Zerschmelzen sozusagen. Ein einmaliges Vergnügen. ABER: Wie kriegt man es hin, dass diese wunderbaren kleinen Dinger nach McChicken schmecken? Und fasrig sind? Wenn schon Panade, dann doch wenigstens etwas so subtiles, das den feinen Geschmack der Milken unterstreicht und nicht übertüncht. Ich hab sie dann geschält aber sie waren hoffnungslos verloren. Schnief. Die Eierschwämmchen waren übrigens auch ziemlich zäh und dazu kalt. Nun gut - es blieben mir ja noch meine Felchenfilets als Hauptgang. Diesmal waren die Eierschwämmchen warm und um Klassen besser als die ersten. Leider war der Koch aber offensichtlich schwer verliebt - also waren Fisch und Eierschwämmchen nur mit einer zusätzlichen Flasche Wasser zu bewältigen. Darüber hinaus war das eine Filet fischig. Nun gut - aber wieso tat ich mir das an? WEIL unter dem Fisch und den Eierschwämmchen das Püree von Petersilienwurzel wartete - und das war ja unter anderem der Grund, weshalb ich dieses Gericht bestellt hatte. Diesbezüglich hat sich meine Hoffnung dann zum Glück erfüllt und das Wurzelpüree hat mich wirklich nicht enttäuscht.

Dazu gab’s - meine Begleitung hatte Wild und ich nicht so besonders gern Weisswein - einen von Zweifel selbst gekelterten Pinot Noir. Sensationell. Hätte die Flasche mitnehmen und den Restbestand aufkaufen sollen - dann wüsst ich jetzt wenigstens, welcher es war…

Wirklich erwähnenswert finde ich die Feedbackaktion. Man bekommt eine kleine Karte und wird gebeten, seine Anregungen gleich niederzuschreiben. Daneben holt sich die Rüsterei so - gegen einen CHF 50.- Gutschein - die Adressen ihrer Gäste. Wenn ernst genommen eine sehr gute Idee.

Alles in allem jedoch verspricht die Location mehr als die Küche halten kann - schade.

One Response to “Rüsterei: Verliiiebt… nein, nicht ich - der Koch”

  1. Der Wein war ein Pinot Noir Barrique N°562 2002 von Zweifel, Höngg.

    Hier der Werbetext dazu:

    Farbe: dichtes Purpur mit violetten Reflexen; Bouquet: reife Brombeeren, Johannisbeergelée, unterlegt mit toastigen Aromen; Körper: weicher Auftakt, stoffig, weiche Tannine, beerig, toastig, langer Abgang, insgesamt schöne Harmonie von Frucht- und Barrique-Aromen.

    Kulinarische Empfehlungen
    Wir haben diesen Pinot Noir aus den besten Trauben des Jahres 2002 zu Ehren von Urahn Heinrich Zweifel im Barrique gekeltert. Gemäss dem Zehntenbrief des Klosters Wettingen hat er schon 1440 die erste urkundlich erwähnte Juchart Zweifel-Reben „uf Klingen“ in Höngg bewirtschaftet. 562 Jahre später freuen wir uns an diesem speziellen Wein aus eigener Kelterung!

    Ausbau
    Die Trauben wurden in den letzten Tagen des Monats Oktober mit 88 bis 93° Oechsle geerntet und danach an der Maische vergoren. Der Jungwein reifte über 12 Monate in neuen und zwei- bis dreijährigen Barriques (Allier, franzöischer Holzblend, American Oak) sowie in einem Foudres (2000 Liter) Holzfass aus Allier- und Höngger Eiche.

Leave a Reply