Wynegg: Bitte nicht nachmachen!

Wir waren also ein Wochenende in Klosters und natürlich hab ich mich vorher nach den besten Restaurants erkundigt. Ganz oben auf der Liste stand das Wynegg von Ruth Guler. Die Leberli mit Rösti seien die besten, die’s gibt und auch alles andere sei wunderbar. Als Leberli-mit-Rösti-Fan konnte ich da natürlich nicht widerstehen. Wir haben’s geschafft, eine Tischreservation zu ergattern (mir wurde gesagt, dass das schon eine Herausforderung war) und traten also ein. Leider konnten wir nicht dort sitzen, wo offenbar die „guten“ Gäste sassen, nämlich in der unteren Beiz. Wir wurden also nach oben ins Stübli gebracht und was uns zuerst entgegenschlug, war die bittere Kälte. In die Daunenjacke gehüllt musste ich wenigstens nicht lange auf die Karte schauen – ich wusste ja, was es sein sollte. Die Bedienung war freundlich, hatte aber offensichtlich Mühe mit der deutschen Sprache. Nun gut, ich bestellte meine Leberli nur kurz – sehr kurz – angebraten. Erklärte unter Zuhilfenahme meiner Gestik, dass sie den Pfannenboden bitte nur ganz schnell berühren sollten, bevor sie auf meinem Teller landeten. Zur Vorspeise sollte es Wynegg-Salat sein – offenbar der Salat des Hauses. Mein Gegenüber im Faserpelz bestellte Gulasch mit Schupfnudeln.
Offensichtlich war das Haus, was den Salat anbelangt, eine Cooperation eingegangen: Was da auf dem Teller unter einem Klecks französischer Sauce lag, war 100%ig der Prix Garantie Salat, den sonst – püriert – mein Hund bekommt. Wegen der Ballaststoffe und so. Das war also der enttäuschende Auftakt. Bis dahin war das einzig Erfreuliche dieses Besuches der Preis von CHF 50.- für eine Flasche Marqués de Cáceres 2005.

Wir warteten also auf den vielgepriesenen Hauptgang. Der Lichtblick blieb aus. Die Leberli waren durchgebraten, körnig und viel zu salzig. Die angekündigten Kräuter waren offenbar aus und die Rösti war ein Haufen gebratener Kartoffelraspeln. Viel schlechter hätte man es nicht machen können. Das Gulasch hat mir auch nicht geschmeckt. Aber – wie mein versöhnlicher Tischgenosse richtig bemerkte – es gibt so viele Arten Gulasch, dass man da nicht ernstens rumkritteln kann. Nicht widersprechen würde er mir allerdings bei der Beilage – zum Glück wussten wir, was es hätte sein sollen, denn erkennen können hätte man es nicht. Leider ging wohl das ganze Salz für meine Leberli drauf, sodass fad nur eine der bemitleidenswerten Eigenschaften dieses weissen Häufchens war. Die Konsistenz erinnerte an durchgekochte Bandnudeln. Wahrscheinlich waren sie beim Abschöpfen auseinandergefallen und hatten deshalb in etwa die Länge von Schupfnudeln bekommen. Geschmack war leider einfach nicht vorhanden – darüber kann also auch nichts gesagt werden. Einzig das Schokomousse zum Dessert war gut – aber vielleicht waren meine Erwartungen da auch einfach schon zu weit gesunken.

Nachtrag: Offenbar hätten das gar keine Schupfnudeln sondern Spätzli sein sollen. Das sagt ja wohl alles…

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