Zum Grobe Ernst: Ernsthaft gut

Zmittag im „Zum Grobe Ernst“. Begrüsst wird man nicht nur freundlich vom Kellner sondern auch mit Salami auf einem kleinen Holzbrett und Tomatenbrötli. Letztere sehen zwar etwas unappetitlich aus, sind aber sehr lecker und eine willkommene Abwechslung zum normalen Brotkorb (den’s übrigens auch gibt). Ein Gläschen Sherry (wie ich vermute), kriegt man gleich mit der Karte und so fühlt man sich denn in der kitschig-überladenen aber trotzdem sehr gemütlichen Atmosphäre auf den bequemen Bänken sehr wohl. Die Karte macht es einem nicht ganz einfach. Einerseits aufgrund der Auswahl, andererseits weil auf Hinweise im Stil von „im Estragonjus mit Orangenöl verfeinert“ oder „mit asiatischen Aromen parfümiert” oder “an Gewürz-Espuma” völlig verzichtet wird. So bestelle ich denn ein „Lammfilet“ und meine Begleitung ein „Kalbskotelette“ – jeweils mit der Pasta des Hauses, den Nüdeli Ernesto. Voraus gibt’s für ihn eine Hummer-Suppe (nein, keine Bisque – eine Suppe, wie ich mit einigem Vergnügen feststelle) und für mich Knobli-Crevetten. Wir kommen überein, dass hier wohl so genannt „ehrliche“ Küche betrieben wird – im besten Sinn des Wortes.

Und sie enttäuscht denn auch nicht – die ehrliche Küche. Die Crevetten schmecken ganz vorzüglich und werden mir mit Knoblauch und Öl im Pfännli serviert, das so heiss ist, dass ich mir noch bei der letzten die Finger dran verbrannt hab. Und wie ich höre, ist auch an der Hummer-Suppe nichts auszusetzen. Etwas neugierig war ich auf das Lamm – denn ob ich’s lieber durch oder sehr rosé mag, war dem Kellner keine Frage wert. Zu Recht, denn eigentlich gibt es ja nur eine Art, Lamm von dieser Qualität zuzubereiten: Es darf innen noch leicht blutig sein. Und das war’s auch. Mit Pfeffer gebraten an einer Sauce, die den Geschmack in keiner Weise störte, ansonsten aber nicht erwähnenswert war. Wegen den Nüdeli müsste ich – wär’ ich denn eine von denen – jetzt wohl eine Woche Dauerlauf machen, die waren nämlich nicht nur in Butter sondern auch noch in Käse gewendet. Allerdings konnte uns das nicht davon abhalten, auch beim Nachschlag nochmals kräftig zuzulangen. Das (doppelte!) Kalbskotelette war übrigens – davon konnte ich mich gleich selbst überzeugen – auch ausgezeichnet. Dasselbe gilt für die Crema Catalana, die den süssen Abschluss bildete. Einen Auftritt von der speziellen Sorte hatte der Küchenchef (und wohl generell Chef), der sich - sehr wahrscheinlich in Erwartung lobender Worte - einfach mal vor den Tisch hinstellte und uns erwartungsvoll ansah. Meine Begleitung war so geistesgegenwärtig, ihm das Erwartete zu sagen und so trottete er wortlos weiter und stellte sich vor den nächsten Tisch.

Vor dem heutigen Mittagessen hab ich mich ja ein bisschen gefragt, was der Name soll. „Zum Grobe Ernst“ macht ja nicht wirklich Sinn, ist nicht besonders einladend und auch sonst irgendwie komisch. Allerdings ist einem das nach dem Essen völlig egal. Die hätten sich irgend einen Namen geben können – ich würde mir ihn merken. Denn abgesehen vom ausgezeichneten Essen war der Service herzlich und aufmerksam und so werde ich den Groben Ernst in Zukunft wohl des Öfteren heimsuchen.

Nachtrag:

Knapp zwei Monate später haben wir den Geburtstag meiner Mutter im Grobe Ernst gefeiert (jaaa, so gut hat’s mir dort gefallen). Und sowohl das Lokal wie auch das Essen wurden unseren hohen Erwartungen gerecht. Besonders zu erwähnen ist die Herzlichkeit, mit der uns die Dame des Hauses Vasen für die Blumen gebracht, für die Geburtstagsüberraschung gesorgt und uns auch jeden anderen jeden Wunsch von den Augen abgelesen hat. Sie hat den Abend von einem schönen zu einem wunderbaren werden lassen.

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